Herausforderung Fachkräftemangel und ungenutztes Potenzial
Der Fachkräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen für Unternehmen in Deutschland. Zugleich leben viele Menschen ohne anerkannten Berufsabschluss und damit ohne echte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Diese Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot an qualifizierten Fachkräften stellt sowohl Unternehmen als auch die Gesellschaft insgesamt vor erhebliche Herausforderungen.
Klassische Bildungswege stoßen an ihre Grenzen
Traditionelle Ausbildungswege bieten häufig keine ausreichenden Lösungen für die bestehende Situation. Sie sind oftmals zu lang, unflexibel und nicht praxisnah genug, um geringqualifizierte Menschen zeitnah und effektiv in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Gerade für Menschen, die im dafür üblichen Lebensabschnitt keinen Berufsabschluss erwerben konnten oder deren ausländische Abschlüsse nicht anerkannt sind, stellen Teilqualifizierungen (TQ) eine besonders geeignete Kombination aus Niedrigschwelligkeit, kurzer Qualifizierungsdauer und unmittelbarer betrieblicher Einsetzbarkeit dar. Ebenso profitieren Menschen, die bereits einen Berufsabschluss besitzen, diesen jedoch aufgrund des Strukturwandels nicht mehr ausüben können. Für diese Zielgruppen führt eine TQ oft schneller und zielgenauer zu einer Weiter- oder Neubeschäftigung und bietet zugleich kontinuierlich die Möglichkeit, den vollständigen Berufsabschluss nachzuholen.
Teilqualifizierungen: Flexible Wege in den Arbeitsmarkt
Teilqualifizierungen bestehen aus mehreren TQ-Modulen – also abgeschlossenen Bausteinen eines anerkannten Berufsbilds, die einzeln oder aufeinanderfolgend absolviert werden können und auf einen anerkannten Berufsabschluss vorbereiten. Eine feste Reihenfolge der Module gibt es hierbei nicht. Jedes einzelne TQ-Modul deckt Kompetenzbereiche eines anerkannten Berufsbilds ab, die auf dem Arbeitsmarkt direkt anschlussfähig sind. In Summe umfassen die Module alle notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten, die für den jeweiligen Beruf gesetzlich erforderlich sind. Der Berufsabschluss kann anschließend über eine Externenprüfung offiziell erworben werden. Kennzeichnend für berufsanschlussfähige Teilqualifizierungen:
- Konzeptionelle Ausrichtung auf einen anerkannten Ausbildungsberuf
- Kompetenzfeststellung nach klar definierten Qualitätskriterien
- Vergabe aussagefähiger und strukturierter Zertifikate
- Übereinstimmung mit diesen und weiteren Konstruktionsprinzipien der Bundesagentur für Arbeit
Der modulare Aufbau von TQ ermöglicht es jederzeit, anders als bei klassischen Bildungswegen, schnell und effektiv Kompetenzen zu erwerben, die sofort in der Praxis angewendet werden können. Deshalb sind TQ besonders geeignet für Menschen, die rasch in den Arbeitsmarkt integriert werden wollen bzw. müssen. Zugleich eröffnet dieser Weg eine verlässliche Perspektive auf den Berufsabschluss.
Warum abschlussorientierte Teilqualifizierungen wichtig sind
Abschlussorientierte Teilqualifizierungen bieten, ganz im Sinne des Koalitionsvertrags, sowohl kurzfristige Beschäftigungsperspektiven als auch langfristige berufliche Sicherheit. Indem sie es geringqualifizierten Menschen ermöglichen, Stück für Stück anerkannte Abschlüsse zu erreichen, erhöhen sie dauerhaft deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig verbessert sich die Qualität und Stabilität der gesamten Belegschaft, da Unternehmen gut ausgebildete und motivierte Mitarbeitende gewinnen und bestehende Mitarbeitende gezielt für höherwertige Aufgaben eingesetzt werden können.
MY·TQ: Das innovative Modell des BBB
In diesem Kontext hebt sich das MY·TQ-Modell des Bundesverbands der Träger beruflicher Bildung (BBB) besonders hervor. Die Stärke von MY·TQ liegt in der bundesweiten Zusammenarbeit verschiedener Bildungsträger, die gemeinsam die Kurse durchführen. Teilnehmende und Unternehmen werden dabei lokal vom jeweils zuständigen Bildungsträger betreut, während die Vermittlung der theoretischen Inhalte in Kooperation erfolgt. Für die Vermittlung fachpraktischer Inhalte stehen deutschlandweit bereits regionale Lösungen zur Verfügung. Teil der MY·TQ-Qualifizierungsangebote ist zudem eine intensive individuelle Betreuung. Dadurch entsteht eine äußerst effektive und nachhaltige Methode, geringqualifizierte Menschen erfolgreich in Beschäftigung zu bringen. Die Kombination aus flexiblen Modulen und begleitenden Maßnahmen stellt sicher, dass Teilnehmende nicht nur Wissen erwerben, sondern ihre Kompetenzen auch nachhaltig festigen und im Berufsalltag gezielt anwenden können.
Vorteile für mittelständische Unternehmen
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist das ein erheblicher Vorteil. Das Modell MY·TQ erlaubt es Unternehmen, einzelne Mitarbeitende in TQ-Kurse zu entsenden, ohne dass eine vollständige Gruppe gebildet werden muss. Dies stellt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einen enormen Vorteil dar, da sie flexibel bleiben und nicht zeitgleich auf viele Mitarbeitende verzichten müssen. Diese gezielte und bedarfsorientierte Qualifizierung reduziert organisatorische Hürden und ermöglicht eine effizientere Personaleinsatzplanung für den Betrieb. Der Betrieb ist damit in der Lage weiterhin Aufträge bedienen zu können ohne auf die gesamte Belegschaft zu verzichten.
Einstellen und qualifizieren – gleichzeitig und kostenneutral
Ein weiterer entscheidender Vorteil bei MY·TQ ist, dass Unternehmen neue Mitarbeitende einstellen können, die zunächst nicht vollständig den Anforderungen entsprechen. Diese Mitarbeitenden können gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit in ein MY·TQ-Qualifizierungsangebot integriert werden. Während der Qualifizierung übernimmt die Bundesagentur für Arbeit (BA) meist einen Großteil, ggf. sogar die gesamten Lehrgangs- und Lohnkosten. Dies minimiert das finanzielle Risiko für Unternehmen erheblich und ermöglicht es, neue Mitarbeitende umfassend zu testen und zugleich gezielt auf ihre zukünftigen Aufgaben vorzubereiten. Der BBB und seine teilnehmenden Bildungsanbieter unterstützen Sie gerne bei der Kontaktaufnahme zu Ihrer Agentur für Arbeit vor Ort.
Praxisnahe Erprobung und nachhaltige Beschäftigung
Im Rahmen des Modells MY·TQ absolvieren Teilnehmende verpflichtend Praxisphasen im Unternehmen. Diese fachpraktischen Erprobungen bieten den Unternehmen die Möglichkeit, potenzielle Mitarbeitende gründlich kennenzulernen und ihre Fähigkeiten direkt am Arbeitsplatz zu testen. So entsteht eine solide Entscheidungsgrundlage für eine langfristige Übernahme in eine feste Beschäftigung. Dieses führt wiederum zur nachhaltigen Sicherung von Fachkräften in den Unternehmen. Die Praxisphasen bei der Qualifizierung beschäftigter Arbeitnehmer können im eigenen Unternehmen absolviert werden und erhöhen dadurch gleichzeitig die Bindung an das Unternehmen.
Fazit: Eine Win-win-Situation für Unternehmen, Beschäftigte und den Arbeitsmarkt
Das Modell MY·TQ des BBB bietet eine durchdachte, praxisnahe und flexible Lösung für die Integration geringqualifizierter Menschen in den Arbeitsmarkt. Um das Potenzial von Teilqualifizierungen und insbesondere des Modells MY·TQ vollständig auszuschöpfen, ist eine stärkere politische Förderung notwendig. Politik und Arbeitsagenturen sollten die Vorteile dieser Maßnahmen stärker erkennen und durch gezielte Unterstützung die Ausweitung und Implementierung in Betrieben fördern. Doch nicht nur die Politik ist gefragt – auch die Unternehmen müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und die bereits sehr guten Angebote der Politik und Bildungsträger aktiv nutzen. Dadurch würde nicht nur der Fachkräftemangel gelindert, sondern auch soziale Teilhabe und Integration deutlich verbessert. Der BBB steht hier als verlässlicher Partner des Mittelstands zur Verfügung.














