Zukunft Mittelstand

Zurück in die Zukunft. Ein Weckruf aus der Wirtschaft

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AdobeStock, frank peters

Auf geht’s – gestalten wir die Zukunft

14. Oktober 2025

Eine echte ökonomische Zeitenwende braucht fairen Wettbewerb und globale Handelsbeziehungen – vor allem aber braucht es einen klaren unternehmerischen Kompass

Die ersten Wochen nach dem Amtsantritt der neuen US-Administration waren für die meisten von uns ein Schockerlebnis. Wir mussten nicht nur erkennen, dass unser bisheriges, scheinbar unverbrüchliches Verhältnis zu den USA passé ist. Vor allem aber – und das ist noch viel gravierender – mussten wir lernen, wie schnell sowohl die Fundamente der Weltordnung als auch die einer jahrhundertealten Demokratie wie der Vereinigten Staaten von Amerika in Gefahr geraten können.

Diese Erfahrung war besonders schmerzlich im Zusammenhang mit dem Gedenken an den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa. Möglicherweise ist dies die eigentliche Zeitenwende. Wir Unternehmerinnen und Unternehmer, die heute Verantwortung tragen, hatten das große Glück, den längsten Teil unseres Lebens in einer Zeit des Friedens und des wachsenden Wohlstands zu verbringen. Nie zuvor gab es eine so lange Friedensperiode in Europa. Dies sollte uns ein besonderer Ansporn sein, dieses kostbare Gut mit aller Kraft zu schützen und zu verteidigen.

Jede Generation vor uns hatte ihre Aufgabe. Nun ist es mehr denn je an uns zu fragen:
Was können wir tun?
Mit welcher Haltung begegnen wir Krisen?
Wir gestalten wir die Transformation?
Wo sehen wir Chancen?

Jetzt gilt es – im Sinne einer echten Zeitenwende – den Blick nach vorne zu richten und uns nicht erst mit der Zukunft zu beschäftigen, wenn sie da ist. Ja, wir sind von Krisen umgeben. Von Krisen und Kriegen, von autokratischen Machthabern und divergierenden Interessen. Aber, wenn die einstige, regelbasierte Weltordnung abgelöst wird, wenn es international immer öfter nur noch um das Recht des Stärkeren geht, dann müssen wir diese neue Situation eben annehmen und uns selbst mit all unseren Stärken positionieren.

Unser Job ist es, uns um Effizienz und Wachstum in unseren Unternehmen zu kümmern und so Wohlstand zu schaffen. Wir werden Geschäftsmodelle hinterfragen, eigene Methoden und Produkte auf den Prüfstand stellen, neue Wege und neue Lösungen finden. In besonderer Weise gilt dies für die mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die sich schon immer durch einen besonderen Erfindungsreichtum und eine besondere Anpassungsfähigkeit ausgezeichnet haben. Deshalb ist der Mittelstand in Deutschland traditionell so stark und bildet das Rückgrat der Wirtschaft. Ich bin mir sicher, wir werden das genau mit der Haltung und der Entschlossenheit tun, die uns in Deutschland und Europa auszeichnet und stark gemacht hat.

Kooperationen machen uns stark

Es liegt an uns, die Weltordnung neu und zukunftsfest zu justieren, neue Partnerschaften und Kooperationen zu suchen und die globale Zusammenarbeit auf ein neues Fundament zu stellen. Als Deutschland – und vor allem als Europa, das seine Interessen in einer neuen multipolaren Weltordnung selbstbewusst verteidigt. Das Fundament dieses Selbstbewusstsein bildet die ökonomische Stärke und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Kontinents. Dass sowohl die EU-Kommission als auch die schwarz-rote Bundesregierung dies zum Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht haben, war gerade für uns mittelständische Unternehmen eine überfällige und notwendige Richtungsentscheidung. Wichtig ist auch, dass wir nicht aus dem Blick verlieren, was die globale Wirtschaft schon immer stark gemacht hat: Kooperationen, starke Handelsbeziehungen und Partnerschaften. Wenn wir die Bereitschaft und den Willen aufbringen, uns gegenseitig stark zu machen, statt uns gegenseitig zu schwächen, werden alle davon profitieren. Abschottungen, eine aggressive Zollpolitik oder auch Handelskriege werden nur Verlierer produzieren – auf allen Seiten, mit zum Teil verheerenden Folgen für einzelne Volkswirtschaften.

Deutschland muss sich daher ganz klar als ökonomisches Schwergewicht Europas in dieser Lage seiner Verantwortung stellen und eine Führungsrolle übernehmen. Selbstverständlich fest eingebettet in europäische Strukturen, in die Strukturen der NATO und in enger Abstimmung mit Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen. Kooperationen sind der Schlüssel.

Entscheidend wird aber sein, sich nicht nach einer vergangenen Zeit zu sehnen, sondern eine neue Zeit gestalten zu wollen. Denn die Karten werden ja mittlerweile ständig neu gemischt: Denken wir an die Phase der gegenseitigen Abwendung zurück, nachdem Großbritannien aus der EU ausgetreten war. Inzwischen ist allen bewusst, dass wir in Verteidigungsfragen aufeinander angewiesen sind und dass es für alle einfach besser ist, wenn wir auch in möglichst vielen anderen Bereichen miteinander kooperieren. Auch die zwischenzeitlich angedachte und teilweise vorangetriebene De- Risking-Strategie Deutschlands und Europas hinsichtlich China ist selbst von ihren Befürwortern in der aktuellen Lage neu zu bewerten. Wir brauchen China und China braucht uns. Auf keinen Fall sollten wir uns in den Konflikt zwischen den USA und China hineinziehen lassen. Und ich möchte den Bogen noch weiter spannen: Weil Abschottung eben keine Lösung ist, geht es für uns als Europa darum, auch und gerade den USA und vor allem den Amerikanerinnen und Amerikanern die Hand zu reichen. Letztendlich sind sie es, die entscheiden, ob sie den aktuell von ihrer Politik verfolgten Protektionismus wollen oder nicht. Deshalb müssen wir als Europäer die Amerikanerinnen und Amerikaner in den »Köpfe und Herzen« erreichen.

Wer investiert, gestaltet Zukunft

Neben der globalen Weichenstellung brauchen wir in Deutschland endlich eine Aufbruchstimmung. Nicht immer nur von Aufbruch sprechen, sondern diesen Aufbruch endlich auch organisieren. Zu viel ist in den vergangenen Jahren liegengeblieben. Eine marode Infrastruktur, eine stockende Digitalisierung, Fachkräftemangel, eine überbordende Bürokratie – das alles darf es an einem starken Wirtschaftsstandort wie Deutschland nicht geben. Das alles lähmt und befeuert nicht nur die schlechte Stimmung im Land, sondern befeuert vor allem einen gefährlichen und wirtschaftsgefährdenden Populismus.

Deshalb war es – bei aller berechtigter Kritik in Detailfragen – für mich vom Ende her gedacht absolut richtig, dass der vorherige Bundestag ein milliardenschweres Sondervermögen geschaffen hat, um das Land wieder wettbewerbsfähig zu machen. Wer jetzt investiert, bestimmt und gestaltet die Zukunft. Natürlich muss mit diesen neuen, finanziellen Spielräumen höchst verantwortungsvoll umgegangen werden. Echte Strukturreformen müssen vorangetrieben werden. Natürlich muss geschaut werden, wo kann Geld gespart werden – und es muss geschaut werden, wo wir effizienter werden müssen, gerade in der öffentlichen Verwaltung. Denn, wenn wir 40 Jahre brauchen, um eine Brücke zu bauen, nützt auch viel Geld nichts, sondern es wird versickern.

Aber, wie gesagt: Lasst uns das anpacken und die Zukunft gestalten. Jeder Unternehmer, jede Unternehmerin in Deutschland sind gefordert. Es geht nicht darum, eine alte Welt zu verteidigen, es geht nicht darum, auf alten Geschäftsmodellen und Prozesse zu verharren, sondern sich eben selbst die Frage zu stellen, wie man sich in der neuen Weltordnung aufstellen will und wird – und selbstverständlich auch, wie man verantwortlich mit Ressourcen und dem Klimaschutz umgeht.

Nicht warten, bis die Zukunft da ist

Bei uns, bei PWO, einem mittelständischen stahlverarbeitenden Unternehmen aus dem Südwesten Deutschlands gehört das Erkennen und Nutzen von Chancen seit über 100 Jahren zu unserem Selbstverständnis. Und dabei setzen wir ganz bewusst auf globale Kooperation und auch Kollaboration.

Mit der PWO-Gruppe sind wir an 10 Standorten in 6 Ländern auf 3 Kontinenten vertreten. Wir sind in China, Deutschland, Kanada, Mexiko, in der Tschechischen Republik und in Serbien präsent. Insgesamt 3.300 Mitarbeitende sind bei uns beschäftigt. Wir entwickeln und fertigen Stahlkomponenten, ohne die ein Auto kein Auto wäre. Was wir machen, finden Sie fast in jedem Auto: In Sitzkonstruktionen, in der Luftfederung, in Elektromotorengehäusen oder in Instrumententafelträgern. Und weil wir vom Verbrennungsmotor vollständig unabhängig sind, profitieren wir auch in hohem Maße von der Entwicklung in der Elektromobilität. Wir wachsen beständig, wir sind profitabel – und wir bekommen weltweit mehr Anfragen für Neugeschäft als wir realistisch bearbeiten können. Wir profitieren von einer globalen Kooperation, wir profitieren vom freien und fairen Welthandel – und sehen im Protektionismus immer eine Gefahr für den Wettbewerb. Denn das stärkt niemanden, das schwächt alle.

Als Unternehmer brauchen wir einen klaren Kompass. Gutes Unternehmertum sollte sich nie von Stimmungsschwankungen abhängig machen. Der Blick nach vorne war und ist unser Antrieb für Unternehmertum. Wir können uns nicht erst mit der Zukunft beschäftigen, wenn sie da ist.

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13. März 2024
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Carlo Lazzarini
CEO, PWO-Gruppe

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